Hesse sein heißt, gefährlich leben können wollen zu müssen!

LaVo2014

Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an alle, die mich gestern zum neuen Beisitzer im Landesvorstand der hessischen Grünen gewählt haben – und besonderen Dank auch an die Wiesbadener, die so lange noch ausgeharrt haben, bis der letzte Wahlgang dieses langen Tages vorbei war.

Ich freue mich ebenso über das deutliche Signal unserer Basis. Sie hat mit Ihrer großen Zustimmung zum schwarz-grünen Koalitionsvertrag Priska Hinz und Tarek Al-Wazir den Rücken gestärkt. Ab Januar werden die beiden in ihren Ministerämtern die Speerspitze grüner Politik bilden und können mit diesem Ergebnis selbstbewusst grüne Positionen durchsetzen und umsetzen.

Hier meine Bewerbungsrede auf der LMV:

Liebe Freundinnen und Freunde,

Matthias Beltz hat mal gesagt: Hesse sein heißt, gefährlich leben können wollen zu müssen.

Der Wähler in seiner unendlichen Weisheit und die Linke in ihrer unerbittlichen Ignoranz gegenüber der finanziellen Situation des Landes haben uns dazu gezwungen, mit dem gefährlichen alten Erbfeind erst zu reden und dann zu verhandeln.

Man muss es jetzt auch noch mal anerkennend in Richtung CDU sagen: Leute, in den vergangenen Jahrzehnten habt ihr euch unsere Wut, unseren Spott und unser Misstrauen aber auch wirklich redlich verdient!

Aber dann stellte sich raus, dass ehemalige Kommunistenfresser und ehemalige Polizistenprügler nicht nur reden, sondern sich auch zuhören können, nicht nur verhandeln, sondern sich auch einigen können.

Das gefällt nicht jedem. Manchen in der Partei ist es wichtiger, alte Feindbilder am Leben zu erhalten, und verabschieden sich konsequenterweise lieber von der Partei als von ihrem Feindbild.

Unser Pech, dass sich so manches CDU-Mitglied nicht von seinen Feindbildern verabschieden wird, aber ums Verrecken erst recht nicht von seiner Partei. Beinahe hätte ich gesagt: Ist nicht unser Problem. Ist es aber doch.

Denn wir werden uns von jetzt an auf „friendly fire“ einstellen müssen – von Seiten des Koalitionspartners und von Teilen unserer traditionellen Wählerschaft.

Aber: wir sind jetzt vom ewigen Gegenspieler zum Mitspieler auf Zeit geworden. Wir haben unseren Lieblingsfeind zu unserem Koalitionspartner gemacht, man könnte auch sagen: befördert.

Das jahrzehntelang aufgebaute, gut begründete und liebevoll gehegte Misstrauen zwischen CDU und Grünen wird nicht dadurch überwunden, dass wir nun bei jeder Gelegenheit auf den Schwachstellen der anderen herumhacken. Sondern nur, dass wir uns statt dessen auf das gemeinsame Ziel konzentrieren, das Land voranzubringen.

Das müssen wir nicht nur selbst leisten, das erwarten wir auch vom Koalitionspartner – und dann wird das auch funktionieren. Durch gegenseitigen Respekt, mit sachlichen Diskussionen. Ohne Ideologie. Und das dürfte uns sicher leichter fallen als so manchem konservativen Knochen in der CDU.

Das Ganze nennt man wohl „interkulturelle Kommunikation“. Wir werden die nicht ändern, aber sie werden uns ein bisschen besser verstehen lernen müssen.

Aber wir werden nicht nur vom Gegenspieler zum Mitspieler. Wir werden auch von Beobachtern zu Beobachteten. Und das meine ich jetzt ausnahmsweise mal ganz ohne Anspielung auf die NSA.

Wir müssen uns darauf einstellen, von mindestens drei Seiten ganz genau unter die Lupe genommen zu werden: von unseren Wählern, von der Opposition, aber auch von der bundesdeutschen Öffentlichkeit, die Schwarz-Grün in Hessen wahlweise als Modell für eine neue strategische Option von Angela Merkel oder als neue strategische Option für die Grünen im Bund sehen will.

Wie auch immer: Ich kann mir kaum etwas Spannenderes vorstellen, als in dieser Situation im Landesvorstand die kommunikative Schnittstelle zwischen der Basis und den Akteurinnen und Akteuren in der Regierung zu sein.

Und dabei ganz nebenbei, aber engagiert im Landesvorstand meine Themen – Digitalisierung, Vernetzung und Schutz der Privatsphäre – für die Partei zu nutzen – nach innen und nach außen.

In erster Linie erwarte ich vom neuen Landesvorstand, dass er Impulse aus der Partei aufnimmt, Interessen klar formuliert und transportiert und nicht zuletzt Missverständnisse frühzeitig klärt, damit wir die Partei zusammenhalten, unser eigenständiges grünes Profil erhalten und dieses Profil weiter ausbauen.

Das ist eine echte Herausforderung, und dieser Herausforderung würde ich mich gerne stellen. Deshalb bitte ich um Eure Stimme.

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