Auftritte und mediales Echo im Wahlkampf

Eigentlich wollte ich ja das klischeehafte Bild des Politikers, der angeblich zu allem eine Antwort weiß, wenigstens an einer einzigen Stelle mal stören. Vor Ort ist mir das auch gelungen – schade nur, dass die Presse dann doch lieber ein anderes Klischee bedienen wollte, nämlich das des unerfahrenen Jungpolitikers. 

kurierWas war geschehen? Letzte Woche war ich in die Podiumsdiskussion der Wiesbadener Carl-von-Ossietzy-Schule zur Bundestagswahl geladen worden. Meine verehrte Mitkandidatin Kristina Schröder war leider wieder nicht da (langsam zweifle ich, ob sie jenseits des Bildschirms überhaupt existiert), ließ sich und die CDU-Politik aber diesmal immerhin vertreten, nämlich vom wacker wahlkämpfenden Klaus-Peter Willsch.

Eine der außenpolitischen Fragen an alle Kandidaten war etwas tricky: Angenommen, wir würden nach der Wahl zum Außenminister ernannt – was wären die drei ersten bzw. wichtigsten Themen? Auf die Schnelle ist mir nur die zunehmende Machtstellung Deutschlands in Europa (und der damit zusammenhängende Unmut bei europäischen Nachbarn) eingefallen, eine Neujustierung des Verhältnisses zu den USA vor dem Hintergrund der NSA-Spionage – und China mit seiner zunehmend offensiveren Suche nach Ressourcen in Afrika. Fand ich für eine so überraschende Amtsübernahme nach dreißig Sekunden Bedenkzeit gar nicht so übel.

Dumm nur, dass einer der anwesenden PoWi-Lehrer es genauer wissen wollte und ein paar Runden später nochmal nachfragte, ob ich den letzten Punkt, den mit China, genauer erläutern könnte (aber am besten ganz kurz, die Zeit war ja eigentlich schon abgelaufen). Meine Antwort (sinngemäß): Das sei jetzt so ein Fall, wo ich als Politiker drauflosschwurbeln könnte, ohne wirklich Ahnung zu haben – lieber würde ich vor so einer Antwort aber nochmal eine halbe Stunde nachdenken – und -lesen. Da ich mich nicht wirklich mental auf das Amt des Außenministers vorbereitet hatte, fand ich, dass das die ehrlichere Antwort war. Nach meinem Eindruck fanden das auch die anwesenden Schülerinnen und Schüler – und sogar der moderierende Schulleiter fasste dies so auf und kommentierte das wohlwollend mit den Worten, das sei ja eine Premiere – ein Politiker, der zugibt, etwas nicht zu wissen.

Daraus machte dann der Wiesbadener Kurier in der gedruckten Ausgabe die Überschrift „Einer bleibt die Antwort schuldig“ (hier der Link zur Online-Version des Tagblatts) und hatte damit nicht nur Kontext und Intention meiner Bemerkung, sondern auch noch die Reaktion des Publikums missverständlich wiedergegeben. Es gibt amüsantere Arten, zu einer Schlagzeile zu werden…

Wie auch immer – für mich ist das ein weiterer Anlass, einen politischen Gegner nicht allein wegen des Bildes, das von ihm oder ihr medial vermittelt wird, zu be- oder zu verurteilen.

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